Naturgesetze und Prinzipien: Was uns trägt, bewegt und verbindet im Shiatsu
Vom Kosmos zur Berührung: Shiatsu im Spiegel der Natur
Wenn wir den Sternenhimmel betrachten, durch eine Landschaft wandern oder einem Menschen die Hand auf die Schulter legen, beschäftigen wir uns vermutlich mit sehr unterschiedlichen Gedanken. Trotzdem gehören diese Erfahrungen zu derselben Welt, in der Materie miteinander in Beziehung steht, Formen sich verändern und Leben unter bestimmten Bedingungen entstehen und bestehen kann.
Die Astrophysik untersucht, wie Sterne entstehen und sich entwickeln, während die Geologie in Gesteinen die Geschichte der Erde nachvollzieht. Die Chemie beschreibt, wie Stoffe reagieren und welche Bedingungen ihre Eigenschaften beeinflussen, und die Biologie erforscht, wie Lebewesen sich erhalten, auf ihre Umgebung reagieren und sich über Generationen verändern.
Mich interessiert, welche übergreifenden Muster uns dabei begegnen und wie sie sich zu den Vorstellungen verhalten, mit denen wir im Shiatsu arbeiten. Beziehungen, Wandel, Rhythmus und Balance haben auch hier eine Bedeutung, obwohl die Begriffe aus unterschiedlichen Wissensgebieten stammen und nicht immer dasselbe meinen.
Mit diesem Beitrag möchte ich diesen Verbindungen nachgehen und dabei den Blick bewusst weit halten: vom Kosmos über die Erde und ihre Stoffe bis zum Menschen, der seine Umwelt wahrnimmt und mit anderen in Kontakt tritt.
Ein Gespräch über die Grundlagen des Shiatsu
Ausgangspunkt für diese Betrachtung ist die Frage, welche Prinzipien Shiatsu über einzelne Techniken und Schulen hinaus prägen. Dazu teile ich hier das englischsprachige Gespräch „What Are The Principles of Shiatsu“ mit Mihael Mamychshvili und Mike Mandl, das zum Weiterhören und eigenen Nachdenken einlädt.
Die folgenden Überlegungen zu Naturwissenschaften und Shiatsu sind meine eigene Annäherung an dieses Thema und keine Zusammenfassung des Gesprächs.
„What Are The Principles of Shiatsu“ auf YouTube ansehen
Wie wir Naturgesetze und traditionelle Vorstellungen miteinander betrachten können
Bei einem solchen Vergleich ist es hilfreich, verschiedene Arten von Wissen auseinanderzuhalten. Die Schwerkraft lässt sich physikalisch beschreiben, biologische Rhythmen können untersucht werden, und chemische Reaktionen folgen unter bestimmten Bedingungen überprüfbaren Zusammenhängen.
Yin und Yang, Ki und die fünf Wandlungsphasen stammen dagegen aus traditionellen Denkmodellen, mit denen Menschen ihre Beobachtungen von Natur, Körper und Leben geordnet haben. Sie besitzen einen anderen Hintergrund und eine andere Aussagekraft als naturwissenschaftliche Erklärungen.
Wenn ich im Folgenden Verbindungen herstelle, verstehe ich sie deshalb als gedankliche Annäherungen. Eine Ähnlichkeit kann helfen, eine Frage aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ohne dass damit bereits ein gemeinsamer Mechanismus nachgewiesen wäre.
Auch das Wort „universell“ braucht etwas Sorgfalt, weil nicht jedes häufig beobachtete Muster überall und unter allen Bedingungen gilt. Kreisläufe, Verzweigungen und Gleichgewichte begegnen uns in vielen Bereichen, entstehen dort aber teilweise auf sehr unterschiedliche Weise.
1. Beziehung und Wechselwirkung: Einzelnes wird im Zusammenhang verständlich
Ein Stern entsteht aus Materie, die sich unter dem Einfluss der Gravitation verdichtet, wobei sich Druck und Temperatur im Inneren verändern. Wenn geeignete Bedingungen erreicht sind, setzt Kernfusion ein; wie sich der Stern anschließend entwickelt, hängt wesentlich von seiner Masse ab.
Schon an diesem Beispiel wird deutlich, dass wir einen Vorgang erst verstehen können, wenn wir seine Bedingungen und Wechselwirkungen
berücksichtigen. Auch in der Chemie erklären die Eigenschaften einzelner Atome noch nicht vollständig, welche Eigenschaften eine Verbindung besitzt, und in der Biologie lässt sich die Funktion eines Organs nur im Zusammenspiel mit dem übrigen Organismus erfassen.
Diese Aufmerksamkeit für Zusammenhänge ist auch für mein Verständnis von Shiatsu wesentlich. Eine körperliche Wahrnehmung gehört zu einem Menschen, der mit bestimmten Gewohnheiten, Anforderungen und Beziehungen lebt und dessen Befinden sich von Tag zu Tag verändern kann.
Wenn sich eine Schulter angespannt anfühlt, lässt sich daraus keine eindeutige seelische Ursache ablesen. Ich kann jedoch nachfragen, wie es dem Menschen gerade geht, was er selbst wahrnimmt und ob eine Berührung angenehm ist.
Die Verbindung zwischen diesen Betrachtungsweisen liegt für mich in der Bereitschaft, über einen einzelnen Ausschnitt hinauszuschauen und zugleich vorsichtig mit Schlussfolgerungen zu bleiben.
2. Unterschiede und Polarität: Wie verschiedene Zustände Prozesse ermöglichen
Viele Vorgänge in der Natur stehen mit Unterschieden in Verbindung, etwa wenn Wärme aufgrund eines Temperaturunterschieds übertragen wird, Druckunterschiede eine Strömung antreiben oder Stoffe sich entlang eines Konzentrationsgefälles verteilen.
Jeder dieser Vorgänge hat eine eigene Erklärung, weshalb wir Temperatur, Druck und elektrische Spannung nicht einfach unter einem einzigen Prinzip zusammenfassen können. Dennoch machen sie anschaulich, dass Unterschiede für das Geschehen in der Natur eine wichtige Rolle spielen.
Mit Yin und Yang begegnet uns im Shiatsu eine traditionelle Möglichkeit, unterschiedliche Qualitäten in ihrer Beziehung zu betrachten. Innen und außen, Sammlung und Entfaltung oder Ruhe und Aktivität erhalten ihre Bedeutung jeweils im Verhältnis zueinander, wobei sich dieses Verhältnis verändern kann.
Ein Spaziergang kann nach langem Sitzen anregend wirken und nach einem belastenden Tag zugleich als ruhiger Ausgleich erlebt werden. Die Bedeutung einer Aktivität hängt also auch davon ab, aus welcher Situation heraus wir sie erfahren.
Für mich eröffnet das einen freundlicheren Blick auf Bedürfnisse, die zunächst widersprüchlich erscheinen: Wir können unsere Arbeit gerne tun und trotzdem Erholung brauchen, oder uns nach Gemeinschaft sehnen und gleichzeitig einen Rückzugsort vermissen.
Yin und Yang lassen sich dabei weder mit elektrischen Ladungen noch mit einzelnen Bereichen des Nervensystems gleichsetzen, sondern bieten eine eigene Sprache für solche wechselnden Verhältnisse.
3. Dynamische Stabilität: Wie Beständigkeit und Veränderung zusammengehören
Ein Stern kann über lange Zeit bestehen, weil sich die nach innen gerichtete Gravitation und der nach außen wirkende Druck in einem Verhältnis befinden, das als hydrostatisches Gleichgewicht beschrieben wird. Währenddessen laufen in seinem Inneren Prozesse ab, die seine Zusammensetzung und seine weitere Entwicklung verändern.
Ein anderes Verständnis von Gleichgewicht begegnet uns in der Chemie, wenn bei einer umkehrbaren Reaktion Hin- und Rückreaktion gleich schnell ablaufen. Die Konzentrationen bleiben dann konstant, obwohl auf molekularer Ebene weiterhin Reaktionen stattfinden.
Diese Beispiele beruhen auf unterschiedlichen Mechanismen, zeigen aber beide, dass ein beständiger Zustand mit fortlaufenden Vorgängen verbunden sein kann.
Für den Gedanken der Balance im Shiatsu finde ich das anregend, weil wir Gleichgewicht im Alltag häufig mit Ruhe oder einem dauerhaft angenehmen Zustand verbinden. Persönliche Balance kann jedoch auch bedeuten, auf wechselnde Anforderungen antworten zu können und das Verhältnis zwischen Aktivität, Erholung und Unterstützung immer wieder anzupassen.
Dabei ist eine wichtige Grenze zu beachten: Ein lebender Organismus befindet sich insgesamt nicht im thermodynamischen Gleichgewicht, sondern erhält sich durch Stoffwechsel und Austausch mit seiner Umgebung. Wenn wir im Shiatsu von Balance sprechen, verwenden wir den Begriff daher in einem anderen, weiter gefassten Sinn.
4. Rhythmus und Wiederkehr: Wie unsere Zeit mit der Umwelt verbunden ist
Durch die Rotation der Erde erleben wir Tag und Nacht, während ihr Umlauf um die Sonne und die Neigung ihrer Achse die Jahreszeiten prägen. Diese astronomischen Bedingungen gehören zu der Umwelt, in der sich das Leben auf der Erde entwickelt hat.
Unser Körper besitzt eigene Rhythmen, von denen besonders die ungefähr 24-stündigen circadianen Rhythmen gut erforscht sind. Licht und Dunkelheit haben einen starken Einfluss auf sie, wobei auch Mahlzeiten, Bewegung und soziale Bedingungen eine Rolle spielen; unter anderem stehen Schlaf, Hormonausschüttung und Körpertemperatur mit diesen Rhythmen in Verbindung.
In traditionellen ostasiatischen Vorstellungen werden ebenfalls zeitliche Qualitäten betrachtet, etwa der Wechsel von Aktivität und Sammlung oder die Zuordnung bestimmter Funktionen zu Tageszeiten. Die traditionelle Organuhr ist dadurch allerdings nicht mit der modernen Chronobiologie gleichzusetzen oder durch sie bestätigt.
Als gemeinsame Frage bleibt, welche Bedeutung der Zeitpunkt und die Dauer eines Geschehens haben und wie wir unsere eigenen Rhythmen wahrnehmen können.
Vielleicht bemerken wir, dass wir zu bestimmten Zeiten besonders konzentriert sind oder dass uns nach intensiver Geselligkeit eine ruhigere Phase guttut. Solche Beobachtungen können helfen, den Alltag passender zu gestalten, ohne daraus einen festen Zeitplan für alle Menschen abzuleiten.
Auch das Bild des Kreislaufs hat seine Grenzen, denn manche Entwicklungen sind einmalig und kein Lebensabschnitt wiederholt sich genau.
5. Wandel und Transformation: Was sich an Gesteinen, Sternen und Lebensphasen beobachten lässt
Gestein wirkt auf uns oft wie ein Sinnbild von Dauer, obwohl es sich im Verlauf der Erdgeschichte erheblich verändern kann. Unter Hitze, Druck und dem Einfluss mineralreicher Fluide entsteht aus vorhandenem Gestein metamorphes Gestein, dessen Struktur und Eigenschaften von den jeweiligen Bedingungen geprägt sind.
Auch Sterne durchlaufen Entwicklungsphasen und geben Materie an ihre Umgebung ab, aus der später neue Sterne und Planetensysteme entstehen können. Der Kohlenstoff in unserem Körper wurde ursprünglich in Sternen gebildet, sodass unsere materielle Zugehörigkeit zum Kosmos sehr konkret ist.
Die fünf Wandlungsphasen bieten eine traditionelle Sprache, um unterschiedliche Qualitäten von Veränderung zu betrachten:
Diese Zuordnungen bedeuten nicht, dass geologische oder kosmische Prozesse nach der Fünf-Phasen-Lehre ablaufen. Als Denkmodell können sie jedoch dabei helfen, Entwicklung umfassender wahrzunehmen und neben Wachstum auch Reifung, Begrenzung und Bewahrung einen Platz zu geben.
Mir ist dabei wichtig, aus Naturbildern keine Forderungen an Menschen abzuleiten. Dass sich Gestein unter Druck verändert, sagt nichts darüber aus, welche Belastung ein Mensch aushalten sollte oder welche Erfahrung für ihn hilfreich wäre.
6. Austausch und offene Systeme: Warum Leben eine Umgebung braucht
Wir nehmen Nahrung, Wasser und Sauerstoff auf, verarbeiten Stoffe und geben unter anderem Wärme an unsere Umgebung ab. Dieser fortlaufende Austausch gehört zu den Voraussetzungen dafür, dass unser Körper sich erhalten kann.
In der Thermodynamik werden Systeme, die Energie und Materie mit ihrer Umgebung austauschen, als offene Systeme bezeichnet; auch Lebewesen gehören dazu.
Damit wird verständlich, dass die Eigenständigkeit eines Organismus mit einer Abhängigkeit von Bedingungen verbunden ist. Er besitzt eine eigene Organisation und bleibt dennoch auf seine Umwelt angewiesen.
Für die Betrachtung des Menschen im Shiatsu ist das ein hilfreicher Ausgangspunkt, wenn wir danach fragen, welche Lebensbedingungen sein Befinden mitprägen und welche Unterstützung ihm zur Verfügung steht.
Der naturwissenschaftliche Begriff des offenen Systems erklärt dabei nicht automatisch soziale Beziehungen oder das persönliche Erleben von Geborgenheit. Er kann uns aber daran erinnern, dass der Körper nicht losgelöst von seiner Umgebung existiert.
Gerade hier lohnt es sich, auch mit dem Wort Energie genau umzugehen: Physikalische Energie ist eine messbare Größe, während der Satz „Ich habe heute wenig Energie“ ein persönliches Befinden beschreibt und Ki zu einem traditionellen Bedeutungsrahmen gehört. Diese Sprachweisen können nebeneinander sinnvoll sein, wenn erkennbar bleibt, welche jeweils gemeint ist.
7. Bedingungen und Schwellen: Warum Veränderung nicht immer gleichmäßig verläuft
An Wasser lässt sich gut beobachten, dass die Eigenschaften eines Stoffes von seinen Bedingungen abhängen. Welche Phase stabil ist, wird unter anderem durch Temperatur und Druck bestimmt und lässt sich in einem Phasendiagramm darstellen.
Während eines Phasenübergangs kann zugeführte Wärme unter entsprechenden Bedingungen in die Zustandsänderung eingehen, ohne dass die Temperatur zunächst weiter steigt. Ein Vorgang kann sich also verändern, obwohl eine einzelne beobachtete Größe gleich bleibt.
Als gedankliche Verbindung zu menschlichen Erfahrungen wirft das die Frage auf, welche Erwartungen wir an Veränderungen haben und woran wir sie überhaupt erkennen möchten.
Im Shiatsu lässt sich beispielsweise nicht voraussetzen, dass ein stärkerer Druck als angenehmer empfunden wird oder eine längere Anwendung zu entsprechend mehr Entspannung führt. Die jeweilige Situation und die Rückmeldung des Menschen müssen berücksichtigt werden.
Das Beispiel aus der Physik erklärt diese Reaktionen nicht, kann aber dazu anregen, einfache Vorstellungen von Ursache und Wirkung zu überprüfen. Gleichzeitig sollten wir aus einer fehlenden Veränderung nicht schließen, dass im Verborgenen auf jeden Fall etwas Bedeutsames geschieht, denn auch dafür bräuchten wir Anhaltspunkte.
8. Teil und Ganzes: Welche Bedeutung das Zusammenspiel besitzt
Wenn wir die Bestandteile eines Systems kennen, wissen wir noch nicht vollständig, welche Eigenschaften durch ihre Anordnung und ihr Zusammenwirken entstehen.
In der Chemie sind Bindungen und räumliche Strukturen von Bedeutung, während in der Biologie die Organisation von Zellen, Geweben und Organen berücksichtigt werden muss. Je nachdem, welche Ebene wir betrachten, werden andere Fragen und Beschreibungen sinnvoll.
Mit dem Begriff Emergenz werden Eigenschaften bezeichnet, die auf der Ebene eines Zusammenspiels auftreten. Der Begriff macht auf diese Ebene aufmerksam, ersetzt aber keine Erklärung dafür, wie eine bestimmte Eigenschaft entsteht.
Für Shiatsu ist daran interessant, dass eine einzelne körperliche Wahrnehmung bedeutsam sein kann und zugleich nur einen Ausschnitt des Menschen zeigt. Traditionelle Funktionskreise bieten ebenfalls eine vernetzende Betrachtungsweise, wobei ihre Bezeichnungen über das jeweilige anatomische Organ hinausreichen.
Eine Aussage über den traditionellen Leber-Funktionskreis ist deshalb keine medizinische Aussage über die Leber.
Wenn ich einen Menschen ganzheitlich betrachten möchte, bedeutet das für mich, mehrere Zusammenhänge zu berücksichtigen und zugleich anzuerkennen, dass ich vieles nicht wissen oder aus einer Berührung erschließen kann.
9. Zeit und Unumkehrbarkeit: Wie Geschichte in der Gegenwart weiterwirkt
Ein Gestein besitzt eine Entstehungsgeschichte, die sich in seiner Struktur zeigen kann, und ein Stern durchläuft Phasen, die seine weitere Entwicklung bestimmen. Auch unser Körper und unser Erleben haben eine Vergangenheit, die zu den Bedingungen der Gegenwart gehört.
Viele makroskopische Prozesse laufen nicht von selbst in umgekehrter Richtung ab. Die Thermodynamik beschreibt diese Gerichtetheit mithilfe der Entropie, wobei für ein isoliertes System gilt, dass seine Gesamtentropie nicht abnehmen kann. Daraus lässt sich jedoch kein allgemeines Lebensgesetz ableiten, nach dem überall zwangsläufig nur Unordnung entstehen müsste.
Für die philosophische Betrachtung bleibt die Frage interessant, was Entwicklung bedeutet, wenn sie nicht zur Wiederherstellung eines früheren Zustands führt.
Nach einem Verlust, einer Erkrankung oder einer anderen einschneidenden Erfahrung können sich die Bedingungen unseres Lebens dauerhaft verändern. Manche Möglichkeiten kehren zurück, andere entstehen neu, und manches bleibt schmerzlich anders.
In meiner Shiatsu-Praxis orientiere ich mich deshalb an dem Menschen, der heute zu mir kommt, und an dem, was unter seinen gegenwärtigen Bedingungen angenehm und unterstützend sein kann. Eine Anwendung kann keinen früheren Lebenszustand versprechen und keine persönliche Geschichte rückgängig machen.
10. Maßstab und Perspektive: Wie weit Ähnlichkeiten tragen
Die Verzweigungen eines Flussnetzes können uns an Äste oder Blutgefäße erinnern, und manchmal entdecken wir in kleinen Strukturen Formen, die uns aus größeren Zusammenhängen vertraut sind.
Solche Ähnlichkeiten sind faszinierend, erlauben aber noch keine Aussage über gemeinsame Ursachen oder Funktionen. Auch Selbstähnlichkeit ist eine konkrete mathematische Eigenschaft, die untersucht werden muss und nicht automatisch auf jede verzweigte Form zutrifft.
Der Gedanke vom Menschen als Mikrokosmos kann als philosophisches Bild ausdrücken, dass wir zur Natur gehören und in größere
Zusammenhänge eingebunden sind. Daraus folgt jedoch nicht, dass der menschliche Körper eine genaue Abbildung des Universums wäre.
Eine Zelle, ein Mensch und ein Stern benötigen unterschiedliche Modelle, weil auf ihren jeweiligen Größenordnungen andere Eigenschaften und Fragen in den Vordergrund treten.
Diese Sorgfalt gilt ebenso für die Quantenphysik, deren Begriffe präzise Bedeutungen haben. Eine sprachliche Ähnlichkeit zwischen physikalischen Begriffen und Beschreibungen von Berührung reicht nicht aus, um Ki oder eine Shiatsu-Erfahrung quantenphysikalisch zu erklären.
Für mich gehört zum offenen Nachdenken deshalb auch die Bereitschaft, eine schöne Verbindung als Bild stehen zu lassen.
Was diese Betrachtungen für mein Verständnis von Shiatsu bedeuten
Wenn ich nach dieser Reise zu Shiatsu zurückkehre, nehme ich vor allem Fragen mit, die meine Aufmerksamkeit erweitern: Welche Beziehungen sind wichtig, welche Bedingungen wirken mit, und wie verändert sich etwas im Laufe der Zeit?
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse können solche Fragen anregen, während traditionelle Modelle eine weitere Sprache anbieten, um über menschliche Erfahrungen nachzudenken. Beide Perspektiven haben ihre Möglichkeiten und Grenzen.
Shiatsu umfasst unterschiedliche Richtungen, die etwa Ki, Meridiane, Yin und Yang oder die Wandlungsphasen verschieden gewichten. Die hier beschriebenen Verbindungen sind deshalb keine einheitliche Lehre aller Shiatsu-Schulen, sondern eine persönliche Betrachtung übergreifender Themen.
In meiner ShenDo-Praxis bilden traditionelle Vorstellungen einen Hintergrund meiner Arbeit, während die Begegnung mit dir und deine eigene Wahrnehmung entscheidend bleiben. Ich möchte wissen, wie es dir heute geht, welche Berührung willkommen ist und ob etwas verändert werden sollte.
Dabei hilft mir die Unterscheidung zwischen dem, was ich wahrnehme, dem, was ich vermute, und dem, was du mir selbst erzählst.
Ein kurzer Moment zum Wahrnehmen
Vielleicht möchtest du für einen Augenblick vom Bildschirm aufschauen und bemerken, wo dein Körper gerade Unterstützung findet.
Du kannst den Kontakt zum Stuhl oder zum Boden wahrnehmen und deinen Blick durch den Raum gehen lassen, ohne eine bestimmte Haltung einnehmen oder deinen Atem verändern zu müssen.
Während du hier sitzt, bist du an einem konkreten Ort und zu einer bestimmten Zeit mit deiner Umgebung verbunden. Dein Körper nimmt auf, verarbeitet und gibt ab, während vieles davon geschieht, ohne dass du es bewusst steuern musst.
Wenn du magst, kannst du dich fragen, welche kleine Veränderung deiner heutigen Bedingungen dir guttun würde. Vielleicht brauchst du Bewegung, etwas zu trinken, ein Gespräch oder eine Unterbrechung deiner Aufgaben.
Sollte sich die Aufmerksamkeit auf den Körper unangenehm anfühlen, kannst du die Übung jederzeit beenden und dich wieder deiner Umgebung zuwenden.
Unsere Zugehörigkeit zur Natur
Mich berührt an diesen Zusammenhängen, dass unsere Zugehörigkeit zur Natur so konkret ist: Die Elemente unseres Körpers haben eine lange Geschichte, unser Tagesrhythmus steht mit dem Licht in Verbindung, und unser Leben erhält sich durch Austausch.
Zugleich bleibt die Erfahrung eines einzelnen Menschen etwas, das sich aus diesen Zusammenhängen allein nicht vollständig verstehen lässt. Wir bringen Erinnerungen, Erwartungen, Beziehungen und eigene Bedeutungen mit, denen wir mit Aufmerksamkeit begegnen können.
Shiatsu ist für mich eine Möglichkeit, dafür Zeit zu schaffen und dem eigenen Körper in einer achtsamen Begegnung näherzukommen. Die Beschäftigung mit Natur und Wissenschaft erweitert dabei meinen Blick, während Fragen offenbleiben dürfen.
In meinem Raum für innere Balance in Krefeld lade ich dich ein, Shiatsu selbst kennenzulernen und herauszufinden, wie du diese Form der Berührung erlebst. Wenn du Fragen hast oder einen Termin vereinbaren möchtest, freue ich mich über deine Nachricht.
Häufige Fragen zu Shiatsu und den Gesetzmäßigkeiten der Natur
Lässt sich Shiatsu durch Physik oder Astrophysik erklären?
Die Vergleiche in diesem Beitrag sind gedankliche Verbindungen zwischen unterschiedlichen Betrachtungsweisen und liefern keine naturwissenschaftliche Erklärung für Shiatsu. Ob und wie bestimmte Anwendungen wirken, muss in eigenen, dafür geeigneten Untersuchungen geprüft werden.
Sind Yin und Yang mit physikalischen Gegensätzen vergleichbar?
Manche Beispiele aus der Physik können dazu anregen, über Unterschiede und Beziehungen nachzudenken. Yin und Yang gehören jedoch zu einem traditionellen Modell und lassen sich nicht mit elektrischen Ladungen oder anderen physikalischen Größen gleichsetzen.
Ist Ki dasselbe wie physikalische Energie?
Mit physikalischer Energie ist eine definierte und messbare Größe gemeint, während Ki aus einem traditionellen Verständnis von Lebendigkeit stammt. Die häufige Übersetzung als Lebensenergie sollte deshalb nicht als naturwissenschaftliche Definition verstanden werden.
Sind die fünf Wandlungsphasen ein universelles Naturgesetz?
Die fünf Wandlungsphasen sind ein traditionelles Modell, mit dem Qualitäten, Veränderungen und Beziehungen betrachtet werden können. Die einzelnen Zuordnungen sind damit nicht als universelle naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten nachgewiesen.
Muss ich diese Vorstellungen teilen, um Shiatsu zu erleben?
Du brauchst keine bestimmte Weltanschauung und kannst deine eigene Wahrnehmung zum Ausgangspunkt nehmen. Fragen, Unsicherheit und Skepsis dürfen in einer Shiatsu-Anwendung genauso ihren Platz haben wie Neugier und die Freude an einer angenehmen Berührung.
Shiatsu ersetzt keine ärztliche Behandlung und keine Psychotherapie. Meine ShenDo Shiatsu Anwendungen dienen der Entspannung, Körperwahrnehmung und dem persönlichen Wohlbefinden.
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